FÖRDER- UND ANERKENNUNGSPREISE GEHEN NACH ENGELBURG, NESSLAU UND RAPPERSWIL


Am Freitag, 28. April 2017, verleiht die St.Gallische Kulturstiftung im «Dömli» in Ebnat-Kappel um 19:00 Uhr zwei Anerkennungspreise und einen Förderpreis, und zwar an Goran Kovačević aus Engelburg (Musiker, Anerkennungspreis 15’000 Franken), an Willi Valotti aus Nesslau (Musiker, Anerkennungspreis 15’000 Franken) und an Frédéric Zwicker aus Rapperswil (Schriftsteller und Musiker, Förderpreis 10’000 Franken).


Goran Kovačević aus Engelburg

Mit seinem Akkordeon durchwandert Goran Kovačević – als Solomusiker und in einer grossen Zahl wechselnder Ensembles und Kooperationen – musikalische Regionen und Traditionen vom Balkan nach Appenzell bis Argentinien, von der Volksmusik zum Tango Nuevo und vom Jazz zu klassischer Musik. Als eigenwilliger Interpret ebenso wie als Komponist fächert Kovačević ein musikalisches Spektrum auf, das seinesgleichen sucht. Bis heute hat er 46 CDs eingespielt. Seine Konzerttourneen führen ihn rund um den Globus. Leidenschaft und Virtuosität kennzeichnen sein Spiel ebenso wie sein Engagement für die Musik. Eine weitere Mission ist die Vermittlung, sei es als Professor am Landeskonservatorium in Feldkirch oder als Mitwirkender im Ensemble «Die Schurken», das Kinder und Erwachsene mit theatral inszenierten Konzerten in die Welt der Musik entführt. 2016 begeisterte er das Publikum des Theaters St.Gallen mit seiner musikalischen Bearbeitung und Mitwirkung in Beate Vollacks tänzerischer Interpretation von Henrik Ibsens Peer Gynt.

Goran Kovačević wurde 1971 in Schaffhausen geboren. Er hat am Konservatorium Winterthur und an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen bei Prof. Hugo Noth studiert und ist Preisträger verschiedener internationaler Wettbewerbe; 2013 erhielt er vom Kanton St.Gallen das Atelierstipendium in Rom. Er lebt mit seiner Familie in Engelburg bei St.Gallen.


Preisverleihung der St.Gallischen Kulturstiftung in Ebnat-Kappel

Willi Valotti aus Nesslau

Der zweite Anerkennungspreisträger ist der vielseitige Toggenburger Musiker Willi Valotti. Er gehört zu den Erneuerern der Schweizer Volksmusik. Als profunder Kenner der Appenzeller- und Innerschwyzer Volksmusik treibt er seine Kompositionen und Interpretationen unermüdlich auf die Spitze und bleibt dabei authentisch und volksnah. Mit seiner virtuosen und gefühlvollen Spielkunst und dem Spielen aus dem Stegreif pflegt der Akkordeonist höchste Ansprüche. Die Klänge seiner Landschaften trägt er in verschiedenen Formationen in die Welt hinaus: Von seiner allerersten, dem «Echo vom Hemberg», und der einstigen «Kapelle Heirassa» über die «Alderbuebe», die er seit 52 Jahren mitprägt, bis zum «item Quartett» und «Willis Wyberkapelle». Auch dem Jodel gibt er mit frechen Kompositionen wegweisende Impulse. Als Verfechter des unverfälschten Naturjodels hat er alte Melodien erforscht und dirigiert. Höhepunkte bilden Kompositionen mit Wolfgang Sieber wie die Jodlerkantate «Glaube, Hoffnig, Liebi» und «s’Wiehnachtsliecht».

Seine Talente schulte Willi Valotti einst an diversen Konservatorien: In der Ausbildung zum Akkordeonlehrer in Winterthur in der Harmonielehre bei Max Lang, im Kontrabass in Zürich sowie im Studium für Arrangement und Komposition in Schaffhausen.


Frédéric Zwicker aus Rapperswil

Der Förderpreis geht an den 1983 geborenen Schriftsteller, Journalisten und Musiker Frédéric Zwicker, der 2016 mit seinem Debutroman «Hier können Sie im Kreis gehen! » aufgefallen ist. In allen grossen Zeitungen der Schweiz hat er dafür wohlwollende bis begeisterte Kritiken geerntet. Das liegt einerseits am Thema Demenz, aber auch an der witzigen, tiefsinnigen und literarisch verspielten Art des Romans. Er macht aus dem Dementen- einen Schelmenroman, bringt den melancholischen Rückblick auf das Leben mit einer doppelten Liebesgeschichte zusammen und schildert aus der Sicht eines charmanten Misanthropen ungeschönt den Alltag in einem Pflegeheim: Sprachlich präzis und dank einer abwechslungsreichen Dramaturgie luftig zu lesen. Hier verbinden sich Tiefsinn und Unterhaltung sehr schön. Zwicker schöpft aus monatelanger Erfahrung als Zivildienstleistender in solchen Heimen. Man mag seinen Roman auch als dezente Klage über den latenten Personalmangel in Pflegeheimen verstehen. Denn politisch ist Frédéric Zwicker in allen seinen Tätigkeiten: Als Sänger der Band Knuts Koffer, die einen Song gegen die Durchsetzungsinitiative geschrieben hat, als Journalist, der über Sexismus am Openair St.Gallen oder über den latenten Rassismus in der Schwingerszene schreibt.


St.Gallische Kulturstiftung

Die St.Gallische Kulturstiftung zeichnet mit der Vergabe von Förder-, Anerkennungs- und Kulturpreisen besondere Leistungen aus. Dabei legt der Stiftungsrat Wert auf die Berücksichtigung verschiedener Regionen und Themen. Das Spektrum reicht vom Brauchtum bis zur Wissenschaft, von der bildenden Kunst bis zum Naturschutz. Neben diesen jährlich vergebenen Preisen wird alle drei Jahre der «Grosse Kulturpreis der St.Gallischen Kulturstiftung» verliehen.

AKTUELLER STIFTUNGSRAT
2016–2020

  • Corinne Schatz, St.Gallen, Präsidentin
  • Regierungsrat Martin Klöti, St.Gallen, Vizepräsident
  • Barbara Schlumpf, Uznach, Vizepräsidentin
  • Beat De Coi, Sargans
  • Meinrad Gschwend, Altstätten
  • Hansruedi Kugler, Wattwil
  • Barbara Sager, Wil
  • Adrian Scherrer, Grabs
  • Reni Schmitter, St.Gallen
  • Christian Spoerlé, Ebnat-Kappel
  • Brigitte Wiederkehr, St.Gallen

Katrin Meier, beratende Stimme des Amtes für Kultur
Esther Hungerbühler, Amt für Kultur, Geschäftsführung